Glossar

Schweiß-Glossar

Die wichtigsten Fachbegriffe rund ums Schweißen, kurz und korrekt erklärt.

AluminiumAlu

Aluminium und seine Legierungen sind leichte, gut wärmeleitende Werkstoffe mit einer zähen Oxidschicht, die einen deutlich höheren Schmelzpunkt hat als das Grundmetall darunter. Deshalb wird Aluminium meist mit WIG oder MIG unter reinem Argon geschweißt, oft mit Wechselstrom, der die Oxidschicht aufbricht. Wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit ist häufig mehr Energie oder Vorwärmen nötig, und der Werkstoff neigt spürbar zu Verzug. Eine saubere Oberfläche und getrennte Werkzeuge (kein Kontakt mit Stahlstaub) sind Voraussetzung für porenarme Nähte.

AnlauffarbenOxidverfärbung

Anlauffarben sind die gelblichen bis blauen Verfärbungen, die beim Schweißen von Edelstahl in und neben der Naht entstehen, wenn heißes Metall mit Luftsauerstoff reagiert. Sie zeigen eine geschädigte Passivschicht an und mindern in diesem Bereich die Korrosionsbeständigkeit. Durch Formieren (Schutzgas an der Wurzelseite) lassen sie sich vermeiden, nachträglich werden sie durch Beizen, Bürsten oder Elektropolieren entfernt. Wie streng die zulässigen Anlauffarben sind, hängt vom Einsatz des Bauteils ab, etwa in der Lebensmittel- oder Chemietechnik.

ArgonAr

Argon ist ein reaktionsträges (inertes) Edelgas und das am häufigsten genutzte Schutzgas beim WIG-Schweißen sowie beim MIG-Schweißen von Aluminium und Edelstahl. Es verdrängt Luftsauerstoff aus dem Schmelzbad und schützt die heiße Naht vor Oxidation und Porenbildung. Reines Argon reagiert nicht mit dem Werkstoff, weshalb es sich für empfindliche und hochlegierte Materialien eignet. Für Baustahl wird es meist mit einem Anteil aktiven Gases zu Mischgas kombiniert.

Baustahlunlegierter Stahl, S235, S355

Baustahl ist un- oder niedriglegierter Stahl (typische Sorten S235 bis S355) und der am weitesten verbreitete Konstruktionswerkstoff im Stahl- und Maschinenbau. Er ist gut schweißbar und wird üblicherweise per MAG-Schweißen unter Mischgas verarbeitet. Bei höheren Wanddicken oder kohlenstoffreicheren Güten kann Vorwärmen nötig sein, um Risse und eine harte, spröde Wärmeeinflusszone zu vermeiden. Ohne Beschichtung ist Baustahl nicht korrosionsbeständig und wird nach dem Schweißen lackiert, verzinkt oder anderweitig geschützt.

Cobotkollaborativer Roboter, Schweißcobot

Ein Cobot ist ein kollaborierender Leichtbauroboter, der so ausgelegt ist, dass er ohne trennenden Schutzzaun in unmittelbarer Nähe des Bedieners arbeiten kann. Beim Schweißen führt er die Brennerbahn wiederholgenau ab, während das Programmieren oft durch einfaches Führen von Hand (Teach-In) erfolgt. Cobots eignen sich besonders für kleine bis mittlere Stückzahlen und häufig wechselnde Bauteile, bei denen sich eine große Roboterzelle nicht lohnt. Sie senken die Einstiegshürde in die Schweißautomatisierung, ohne dass gleichbleibende Serienqualität verloren geht.

EdelstahlNirosta, V2A, V4A, rostfreier Stahl

Edelstahl im üblichen Sprachgebrauch meint nichtrostende, hochlegierte Stähle mit einem Chromanteil von mindestens etwa 10,5 Prozent, der eine schützende Passivschicht bildet. Häufige Güten sind V2A und das chemisch beständigere V4A. Geschweißt wird meist mit WIG oder MAG unter geeignetem Schutzgas, wobei die Wärmeeinbringung begrenzt und die Wurzel formiert werden sollte, um Anlauffarben und Chromkarbidausscheidungen zu vermeiden. Nach dem Schweißen stellen Beizen und Passivieren die volle Korrosionsbeständigkeit wieder her.

Eigenspannunginnere Spannung

Eigenspannungen sind mechanische Spannungen, die nach dem Schweißen ohne äußere Last im Bauteil verbleiben, weil unterschiedlich schnell abkühlende Bereiche sich gegenseitig behindern. Sie entstehen zusammen mit dem Verzug und können die Belastbarkeit, Maßhaltigkeit und Rissneigung eines Bauteils beeinflussen. Durch eine durchdachte Nahtreihenfolge, angepasste Wärmeführung und Vorwärmen lassen sie sich begrenzen. Bei anspruchsvollen Bauteilen werden sie durch Spannungsarmglühen gezielt abgebaut.

ISO 3834DIN EN ISO 3834

ISO 3834 ist eine internationale Normenreihe, die Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen metallischer Werkstoffe beschreibt, etwa an Personal, Ausrüstung, Prüfmittel und die Dokumentation der Prozesse. Sie ist selbst kein Produktnachweis, sondern legt fest, wie ein Betrieb seine Schweißqualität systematisch beherrscht und belegt. Je nach Anspruch unterscheidet sie umfassende, standardmäßige und elementare Qualitätsanforderungen. Auf dieser Seite ist die Norm als allgemeines Fachkonzept erläutert und stellt keine Aussage über eine Zertifizierung der MÜBO GbR dar.

KehlnahtWinkelnaht

Eine Kehlnaht verbindet zwei Bauteile, die etwa im rechten Winkel aufeinandertreffen, zum Beispiel bei T-Stößen, Überlappungen oder Eckverbindungen. Ihr wichtiges Maß ist das a-Maß, die Höhe des größten einbeschriebenen gleichschenkligen Dreiecks im Nahtquerschnitt, das die tragende Dicke angibt. Kehlnähte kommen im Stahlbau sehr häufig vor, weil sie ohne aufwendige Kantenvorbereitung ausführbar sind. Entscheidend für die Tragfähigkeit sind ausreichender Einbrand an der Nahtwurzel und ein sauberer, gleichmäßiger Nahtaufbau.

LichtbogenschweißenArc Welding

Lichtbogenschweißen ist der Oberbegriff für Schmelzschweißverfahren, bei denen ein elektrischer Lichtbogen zwischen einer Elektrode und dem Werkstück die Wärme zum Aufschmelzen liefert. Dazu gehören unter anderem WIG, MIG und MAG sowie das Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Stabelektroden. Die Verfahren unterscheiden sich vor allem darin, ob die Elektrode abschmilzt und wie das Schmelzbad vor Luft geschützt wird, etwa durch Schutzgas oder Umhüllung. Sie decken vom feinen Blech bis zum dicken Konstruktionsteil nahezu das gesamte Spektrum industrieller Schweißaufgaben ab.

MIG/MAG-SchweißenMetall-Schutzgasschweißen, MSG, GMAW

Beim MIG/MAG-Schweißen wird eine endlose Drahtelektrode automatisch nachgeführt, die zugleich als Schweißzusatz abschmilzt, während ein Schutzgas das Schmelzbad abschirmt. MIG (Metall-Inertgas) arbeitet mit reaktionsträgem Gas wie Argon und wird für Aluminium und hochlegierte Stähle genutzt, MAG (Metall-Aktivgas) mit CO2-haltigem Mischgas vor allem für Baustahl. Das Verfahren ist schnell, gut automatisierbar und liefert hohe Abschmelzleistungen, was es zum Standard für Serien und größere Nahtvolumen macht. Die Nahtqualität hängt stark von passenden Parametern und einer sauberen Schweißnahtvorbereitung ab.

MischgasM21, Ar/CO2, Corgon

Mischgas ist ein Schutzgasgemisch, das beim MAG-Schweißen von Stahl eingesetzt wird und meist aus Argon mit einem Anteil aktiven Gases besteht, typischerweise Kohlendioxid (CO2), teils auch Sauerstoff. Der aktive Anteil verbessert Einbrand und Lichtbogenstabilität, während das Argon für einen ruhigen Bogen und spritzerarmes Schweißen sorgt. Reines CO2 als Schutzgas ist günstig und erzeugt tiefen Einbrand, führt aber zu mehr Spritzern, weshalb heute überwiegend Mischgas verwendet wird. Die genaue Mischung wird auf Werkstoff, Blechdicke und geforderte Nahtqualität abgestimmt.

Schweißanweisung (WPS)WPS, Welding Procedure Specification

Eine Schweißanweisung, englisch Welding Procedure Specification (WPS), ist ein Dokument, das alle wesentlichen Parameter für eine bestimmte Schweißaufgabe verbindlich festlegt, etwa Verfahren, Zusatzwerkstoff, Schutzgas, Strom, Spannung, Lagenaufbau und Vorwärmtemperatur. Sie sorgt dafür, dass eine Naht reproduzierbar und in gleichbleibender Qualität ausgeführt wird, unabhängig von der einzelnen Person am Brenner. Üblicherweise stützt sie sich auf eine zuvor erprobte und geprüfte Verfahrensqualifikation. In qualitätsgesicherten Prozessen ist die WPS ein zentraler Bestandteil der Dokumentation.

SchweißnahtvorbereitungNahtvorbereitung, Fugenvorbereitung

Die Schweißnahtvorbereitung umfasst alle Arbeiten, die vor dem eigentlichen Schweißen die Fügestelle in den richtigen Zustand bringen. Dazu gehören die Wahl der Fugenform (etwa V-, X- oder Kehlfuge), das Anfasen der Kanten, das Einstellen des Wurzelspalts sowie das Reinigen von Rost, Zunder, Öl, Farbe und Feuchtigkeit. Eine saubere und maßhaltige Vorbereitung ist Voraussetzung für vollständigen Einbrand, eine tragfähige Wurzel und porenarme Nähte. Fehler in diesem Schritt lassen sich später oft nur mit hohem Aufwand korrigieren.

Schweißroboter und RoboterzelleRoboterschweißen, Schweißzelle

Ein Schweißroboter ist ein programmierbarer Industrieroboter, der den Schweißbrenner auf festgelegten Bahnen mit hoher Wiederholgenauigkeit führt. Als Roboterzelle bezeichnet man die abgesicherte Gesamtanlage aus Roboter, Schweißstromquelle, Vorrichtungen, oft einem Drehtisch oder Positionierer sowie der Schutzeinhausung. Solche Zellen eignen sich vor allem für gleichbleibende, mittlere bis große Serien, weil sie konstante Nahtqualität, kurze Taktzeiten und eine gute Reproduzierbarkeit bieten. Wirtschaftlich wird der Einsatz, wenn Stückzahl, Bauteilgeometrie und Vorrichtungsaufwand zueinander passen.

SichtprüfungVT, visuelle Prüfung

Die Sichtprüfung (englisch Visual Testing, VT) ist das grundlegende zerstörungsfreie Prüfverfahren, bei dem die Naht mit dem Auge und einfachen Hilfsmitteln wie Lupe, Nahtlehre und guter Beleuchtung beurteilt wird. Geprüft werden sichtbare Merkmale wie Nahtform, Maße, Einbrandkerben, Poren, Risse, Spritzer und bei Edelstahl die Anlauffarben. Sie ist schnell, kostengünstig und meist der erste Schritt, erfasst aber nur oberflächennahe Merkmale. Für innere Fehler kommen ergänzend Verfahren wie Durchstrahlungs- oder Ultraschallprüfung zum Einsatz.

StumpfnahtStoßnaht

Eine Stumpfnaht verbindet zwei Bauteile, die in einer Ebene stumpf aneinanderstoßen, etwa zwei Bleche oder Rohre Ende an Ende. Je nach Wanddicke werden die Kanten vorbereitet, zum Beispiel als V- oder X-Fuge, damit die Naht bis zur Wurzel durchschweißt und den Querschnitt voll trägt. Richtig ausgeführt kann eine durchgeschweißte Stumpfnaht die volle Festigkeit des Grundwerkstoffs erreichen. Wichtig sind dafür eine saubere Schweißnahtvorbereitung, gleichmäßiger Wurzelspalt und vollständiger Wurzeleinbrand.

VerzugSchweißverzug, Verwerfung

Verzug bezeichnet die bleibende Formänderung eines Bauteils, die durch die örtlich starke Erwärmung und das anschließende ungleichmäßige Abkühlen beim Schweißen entsteht. Das Material dehnt sich beim Erhitzen aus und zieht sich beim Erkalten zusammen, wodurch sich Winkel, Längen und Ebenheit verändern können. Gegenmaßnahmen sind eine geringe, gezielte Wärmeeinbringung, eine durchdachte Nahtreihenfolge, Spannvorrichtungen und Gegenverspannen. Verzug hängt eng mit den zurückbleibenden Eigenspannungen zusammen und wird bei maßkritischen Bauteilen von Beginn an eingeplant.

VorwärmenPreheat, Vorwärmtemperatur

Vorwärmen bedeutet, den Werkstoff vor und häufig auch während des Schweißens auf eine definierte Temperatur zu bringen, um die Abkühlung der Naht zu verlangsamen. Die langsamere Abkühlung senkt die Härte und Rissneigung in der Wärmeeinflusszone und lässt Wasserstoff besser entweichen, was Kaltrisse vermeidet. Nötig ist es vor allem bei dickeren Querschnitten, kohlenstoff- oder legierungsreicheren Stählen und bei niedrigen Umgebungstemperaturen. Die passende Vorwärmtemperatur richtet sich nach Werkstoff und Bauteil und wird in der Schweißanweisung festgelegt.

WärmeeinflusszoneWEZ, HAZ

Die Wärmeeinflusszone (WEZ, englisch Heat Affected Zone) ist der Bereich des Grundwerkstoffs unmittelbar neben der Schweißnaht, der zwar nicht aufgeschmolzen, aber durch die Schweißwärme so stark erhitzt wurde, dass sich sein Gefüge verändert. Je nach Werkstoff und Abkühlgeschwindigkeit kann sie härter und spröder werden oder an Zähigkeit verlieren, was ihre Rissanfälligkeit erhöht. Ihre Ausdehnung und Eigenschaften hängen von der eingebrachten Wärme, der Blechdicke und dem Vorwärmen ab. Sie ist oft der mechanisch kritischste Bereich einer Schweißverbindung.

WIG-SchweißenTIG, GTAW, Wolfram-Inertgas

Beim WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgas, international TIG oder GTAW) brennt der Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück, während ein inertes Schutzgas wie Argon das Schmelzbad abschirmt. Der Zusatzwerkstoff wird bei Bedarf separat von Hand oder mechanisiert zugeführt, wodurch sich Wärme und Materialauftrag sehr fein steuern lassen. Das Verfahren liefert besonders saubere, präzise und spritzerarme Nähte und eignet sich für dünne Bleche, Edelstahl, Aluminium und sichtbare oder hoch beanspruchte Verbindungen. Es ist vergleichsweise langsam und anspruchsvoll, dafür qualitativ hochwertig.

WurzelNahtwurzel, Schweißwurzel

Die Wurzel ist die erste, unterste Lage einer Schweißnaht und der Bereich, in dem die Fügeteile am Nahtgrund erstmals verbunden werden. Sie trägt maßgeblich zur Festigkeit der gesamten Verbindung bei, weshalb ein vollständiger Wurzeleinbrand ohne Bindefehler, Einfallstellen oder Wurzelrückfall entscheidend ist. Bei einseitig geschweißten Nähten wird die Wurzelseite häufig formiert, also mit Schutzgas hinterlegt, um Oxidation und Anlauffarben zu vermeiden. Fehler in der Wurzel sind später schwer zu erkennen und aufwendig zu beheben, weshalb ihr besondere Sorgfalt gilt.

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