Veröffentlicht am 7. Juli 2026

Ratgeber Schweißtechnik

WIG oder MIG/MAG: Welches Schweißverfahren passt zu Ihrem Bauteil?

WIG, MIG und MAG sind die gängigsten Schutzgasschweißverfahren im Metallbau. Sie unterscheiden sich in Präzision, Geschwindigkeit, geeigneten Werkstoffen und Kosten. Wer das richtige Verfahren für ein Bauteil kennt, spart Zeit, Nacharbeit und Geld. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede praxisnah und gibt Ihnen eine klare Entscheidungshilfe für Ihre Anfrage.

Auf einen Blick

  • WIG trennt Wärme und Drahtzugabe: hohe Präzision und Nahtoptik, aber langsamer und aufwendiger.
  • MIG/MAG führt den Draht automatisch nach: schneller, wirtschaftlicher in der Serie und gut automatisierbar.
  • Aluminium braucht inerte Gase (Argon); nichtrostende Stähle argonreiche Mischgase mit kleinem aktivem Anteil; un- und niedriglegierte Stähle werden mit aktivem MAG-Gas (Mischgas oder CO2) geschweißt.
  • Faustregel: WIG bei Aluminium, Edelstahl und dünnem Material, MIG/MAG bei Baustahl, dickeren Blechen und Serie.
  • Die Verfahrenswahl sollte vor der Fertigung nach Werkstoff, Blechdicke, Belastung und Nahtsichtbarkeit erfolgen.

Die drei Verfahren im Überblick

Alle drei Verfahren sind Schutzgasschweißverfahren: Ein Schutzgas verdrängt den Luftsauerstoff und schützt das flüssige Schweißbad vor Oxidation. WIG zählt dabei zum Wolfram-Schutzgasschweißen, MIG und MAG zählen zum Metall-Schutzgasschweißen. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie der Lichtbogen entsteht und ob der Zusatzwerkstoff automatisch nachgeführt wird.

Bei WIG (Wolfram-Inertgas, international auch TIG genannt) brennt der Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Bauteil. Den Zusatzdraht führt der Schweißer von Hand separat zu, ähnlich wie beim Autogenschweißen. Das trennt Wärmezufuhr und Materialzugabe und macht das Verfahren gut kontrollierbar.

Bei MIG (Metall-Inertgas) und MAG (Metall-Aktivgas) ist der Zusatzdraht selbst die abschmelzende Elektrode. Er wird motorisch und kontinuierlich durch den Brenner gefördert. MIG und MAG sind technisch das gleiche Verfahren und unterscheiden sich nur im Schutzgas, weshalb sie meist gemeinsam als MIG/MAG genannt werden.

WIG-Schweißen: Präzision und saubere Naht

WIG gilt als das präziseste der drei Verfahren. Weil der Schweißer Wärme und Drahtzugabe getrennt steuert, entstehen sehr saubere, spritzerarme und optisch hochwertige Nähte. Das Verfahren eignet sich besonders für dünne Bleche und sichtbare Bauteile.

Die Kehrseite ist die Geschwindigkeit: WIG ist langsamer und verlangt hohes handwerkliches Können. Für Serien mit langen Nähten oder dicke Querschnitte ist es daher oft unwirtschaftlich.

  • Stärken: hochwertige Nahtoptik, sehr gute Kontrolle, geringer Verzug bei dünnem Material, kaum Spritzer
  • Schwächen: geringere Abschmelzleistung, höherer Zeitaufwand, höhere Anforderungen an den Schweißer
  • Typisch für: Edelstahl, Aluminium, dünne Bleche, sichtbare oder dichtheitskritische Nähte

MIG/MAG-Schweißen: Tempo und Wirtschaftlichkeit

MIG/MAG punktet mit Geschwindigkeit und hoher Abschmelzleistung. Der kontinuierlich geförderte Draht erlaubt lange Nähte in kurzer Zeit und ist deutlich einfacher zu automatisieren. Damit ist das Verfahren die erste Wahl für Serienfertigung, dickere Bleche und Konstruktionen mit viel Nahtvolumen.

Im Gegenzug ist die Nahtoptik meist etwas gröber und es entstehen mehr Spritzer als bei WIG. Für viele Konstruktions- und Baustahlanwendungen ist das jedoch ausreichend, weil die Naht ohnehin lackiert oder verdeckt wird.

  • Stärken: hohe Geschwindigkeit, gute Abschmelzleistung, wirtschaftlich in der Serie, gut automatisierbar
  • Schwächen: mehr Spritzer, etwas gröbere Optik, weniger Feinkontrolle bei sehr dünnem Material
  • Typisch für: Baustahl, dickere Bleche, Rahmen und Träger, Serien- und Mengenfertigung

Die Schutzgase richtig verstehen

Das Schutzgas bestimmt, wie sich Lichtbogen und Schweißbad verhalten. Hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen MIG und MAG.

MIG und WIG arbeiten mit inerten, also reaktionsträgen Gasen, meist reinem Argon oder Argon-Helium-Gemischen. Diese Gase reagieren nicht mit dem Schmelzbad. Für Aluminium sind sie zwingend, weil das Metall sonst stark oxidiert.

MAG nutzt aktive Gase, die gezielt mit dem Schmelzbad reagieren, typischerweise Mischgas aus Argon und CO2 oder reines CO2. Bei un- und niedriglegierten Stählen verbessert der aktive Anteil Einbrand und Wirtschaftlichkeit. Nichtrostende Stähle liegen dazwischen: Sie werden überwiegend mit argonreichen Mischgasen geschweißt, die nur einen kleinen aktiven Anteil enthalten (etwa Argon mit wenigen Prozent CO2 oder Sauerstoff), während hohe CO2-Anteile und reines CO2 hier ungeeignet sind. Für Aluminium sind aktive Gase generell ungeeignet.

Welcher Werkstoff, welche Blechdicke?

Werkstoff und Materialstärke sind meist die wichtigsten Kriterien bei der Verfahrenswahl. Als grobe Orientierung gilt:

  • Aluminium: bevorzugt WIG bei dünnem, sichtbarem Material; MIG bei dickeren Querschnitten und höherem Durchsatz
  • Edelstahl (nichtrostend): WIG für dünne Bleche und optisch oder hygienisch anspruchsvolle Nähte; MIG/MAG mit argonreichem Mischgas bei größeren Dicken
  • Baustahl un- und niedriglegiert: in der Regel MAG mit CO2 oder Mischgas, wirtschaftlich und robust
  • Dünne Bleche generell: WIG reduziert Verzug und Durchbrandgefahr
  • Dicke Bleche und viel Nahtvolumen: MIG/MAG dank hoher Abschmelzleistung

Entscheidungshilfe: Wann welches Verfahren?

In der Praxis lässt sich die Wahl auf wenige Leitfragen verdichten. Stehen Optik, Dichtheit oder ein empfindlicher Werkstoff im Vordergrund, spricht vieles für WIG. Zählen Stückzahl, Durchsatz und Kosten, ist MIG/MAG meist die wirtschaftlichere Lösung.

Nicht selten ist eine Kombination sinnvoll: sichtbare oder kritische Nähte in WIG, tragende oder verdeckte Nähte am selben Bauteil in MIG/MAG. Wichtig ist, dass die Verfahrenswahl vor der Fertigung mit Blick auf Werkstoff, Blechdicke, Beanspruchung und Sichtbarkeit getroffen wird, nicht erst am Bauteil.

  • WIG wählen bei: Aluminium, Edelstahl, dünnem Material, sichtbaren oder dichtheitskritischen Nähten, kleinen Stückzahlen
  • MIG/MAG wählen bei: Baustahl, dickeren Blechen, langen Nähten, Serien und kostensensiblen Aufträgen
  • Im Zweifel: Werkstoff, Blechdicke, Belastung und Nahtsichtbarkeit vorab klären und im Angebot festhalten

Verfahren zum Bauteil, nicht umgekehrt

Es gibt kein grundsätzlich besseres Verfahren, nur das jeweils passende für Werkstoff, Beanspruchung und Stückzahl. Wer diese Faktoren vor der Fertigung sauber bewertet, vermeidet Verzug, Nacharbeit und unnötige Kosten.

MÜBO Welding Technologies berät Sie im Westerwald zu WIG- und MIG/MAG-Anwendungen und wählt das Verfahren nach Ihrem Bauteil aus. Schildern Sie uns Werkstoff, Blechdicke und Einsatzzweck, dann finden wir gemeinsam die passende Lösung für Ihre Anfrage.

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